TB-AIDS DIARY: Translations German
Das TBC-AIDS Tagebuch von Linda Troeller
Click on thumbnails for larger images.
(back to Translations menu)
|
|
Das TBC-AIDS Tagebuch von Linda Troeller
Im Jahr 1933 erkrankte meine Mutter an Tuberkulose. Die für die Collagen verwendeten Photos meiner Mutter haben mich schon seit meiner Kindheit fasziniert. Im vergangenen Jahr erhielten die Photos plötzlich eine besondere Brisanz, als mir nämlich deutlich wurde, wie viele Parallelen es zwischen TBC und AIDS gibt. Beides sind tödliche, ansteckende Krankheiten und bei beiden führen Ignoranz und übertriebene Angst dazu, dass die Patienten zu Außenseitern der Gesellschaft gemacht werden. Es wird auch berichtet, dass immer mehr AIDS-Kranke an TBC sterben. Die TBC - Tagebuchnotizen aus den 30er Jahren sind fiktiv, allerdings beruhen sie auf Nachforschungen. Die AIDS-Berichte stammen aus der Presse. Die auf den Collagen abgelichteten Modelle leiden weder an der einen noch an der anderen Krankheit.
|
 |
Husten mit Blutauswurf
Nachschweiß
Husten mit Blutauswurf
Erschöpfung
Husten mit Blutauswurf
Passion Passion Passion
Passion Passion Passion Passion |
 |
10. Juni 1933
Der Arzt ermahnte mich, das Blut beim Husten auf der Bahnfahrt zum Lungensanatorium in ein Taschentuch zu spucken, dies dann in eine Tüte zu tun und sie bei den Stationen unterwegs wegzuwerfen.
("Bild 6. Thomastown, La. Juni 1940, Schwester Marguerite White vom Louisana Delta FSA Projekt zeigt einer TBC-Patientin, wie sie sich ihre eigenen Papierbecher machen kann, die nach Gebrauch verbrannt werden können. Marion Post Wolcott, Farm Security Administration. Prints and Photographs Division, Library of Congress.") |
 |
20. Juni 1933
Ich begann zu schwitzen von der intensiven Hitze im Sonnenstudio. Das Sanatorium steht auf einem Hügelrücken, der die Morgensonne anzieht wie ein Magnet. (Elektronenmikroskopaufnahme von roten Blutzellen vor einer Gefäßwand.)
|
 |
weiße Pest weiße Pest weiße Pest weiße Pest weiße Pest
weiße Pest weiße Pest weiße Pest weiße Pest weiße Pest
weiße Pest weiße Pest weiße Pest weiße Pest weiße Pest
weiße Pest weiße Pest weiße Pest weiße Pest weiße Pest
weiße Pest weiße Pest weiße Pest weiße Pest weiße Pest
weiße Pest weiße Pest weiße Pest weiße Pest weiße Pest |
|
|
21. November 1933
Kurz nachdem ich mein Licht gelöscht hatte, vernahm ich das schrille Geräusch von pfeifendem Atmen, das mit einem Hustenanfall beginnt, sich bis zu einem durchdringenden Schrei steigert und dann wieder verebbt. Das pfeifende Keuchen breitet sich über die Korridore aus, steigt von Etage zu Etage wie die Sirene eines Unfallwagens, der durch die Straßen saust.
Das pfeifende Atmen schwillt am Spätnachmittag an und macht dann einer relativen Ruhe Platz, bis jemand mitten in der Nacht einen Erstickungsanfall hat. Ich höre das pfeifende Atmen und frage mich, wer jetzt wohl stirbt. Werde ich die Nächste sein?
Tief drinnen in der Höhlung meines Brustkorbs treiben Heuschrecken ihr Unwesen. Sie paaren sich und legen neue Eier. Nun scheinen sie Winterschlaf zu halten und alles ist still, bis sie ausschlüpfen und die Larven sich in meine Lungen fressen.
|
 |
24. März 1934
Meine Brust entleert sich. . . . Meine Brust. Ich pflege meine Brust. Es ist nur eine Höhle voller Eiter für die Heuschrecken. Ich war schon am Verrotten, ehe die Tuberkulose begann. "Gebleichte Gebeine im Mondlicht." (Schöne Neue Welt, A. Huxley) |
|
|
1O. Mai 1934
Wenn die Frauen wieder nach Hause zurückkehren, werden sie einkaufen gehen, mit ihren Kindern spielen, sich über die neueste Mode und Kosmetikartikel informieren. Sie werden versuchen, ihr Leben wieder so zu gestalten, "wie es vorher war“. Doch nun sind da Tuberkulose-Tests, Röntgentermine und die Arbeitgeber, die manche Leute von hier nicht wieder einstellen wollen. Die Menschen haben Angst, dich zum Abend einzuladen.
|
 |
INFIZIERT MIT |
|
|
28. Mai 1987
Ich fand es immer schlimm, als eine ehemalige TBC-Kranke gebrandmarkt zu werden. Ich war einsam, als ich von meiner Familie getrennt war, doch sie haben mich nie im Stich gelassen. Niemand ist gerne gebrandmarkt. Lasst einander nicht im Stich; kümmert euch umeinander! (Besuch von Ray 1934)
|
 |
Vorurteile wegen Alter (ageism). Sexismus. Rassismus. Hass. Ignoranz. Angst. TBC-AIDS. Soziales Stigma und körperliche Behinderung. Stigma. Brandmal der Schande .oder der Verachtung. Stigmatisierung. Mit einem Brandmal kennzeichnen. Die Religion des teuren Blutes. Wessen Blut? Wir sehen uns selbst in ihnen. Ihre Sterblichkeit ist die unsere. Wenn in Afrika ein Zulu stirbt, gehen alle zum Fluss hinunter, um gereinigt zu werden. Wer ist nicht unrein? |
 |
3. April 1984
Ich bin Friseuse und da ich meinen Kunden nicht einmal erzählt hatte, dass mein Sohn schwul ist, konnte ich ihnen über seine AIDS-Erkrankung auch nicht die Wahrheit sagen. Schließlich sagte ich meinen Kollegen und Kunden, dass es Krebs sei. Ich wusste ja, dass viele Kunden meinen Salon meiden würden, wenn sie wüssten, dass es AIDS ist. |
 |
9. Mai 1984
Ich wollte so gerne mit einer anderen Mutter darüber reden, aber ihre Namen werden vertraulich behandelt. Als ich erfuhr, dass eine Frau eine Gruppe "Mütter von AIDS-Patienten" gegründet hatte, machte ich das auch. |
 |
Passion Fieber Passion Fieber Passion Fieber Passion
Soor Soor Soor Soor Soor Soor Soor
Tuberkulose Tuberkulose Tuberkulose Tuberkulose
Pneumocystis Pneumocystis Pneumocystis
Kaposi-Sarkome Kaposi-Sarkome Kaposi-Sarkome
Lymphtumore . Lymphtumore Lymphtumore Lymphtumore
Genitalwarzen Genitalwarzen Genitalwarzen Genitalwarzen
Nachtschweiß Hustenanfälle Nachtschweiß Hustenanfälle |
 |
10. August 1984
Mein Sohn ist körperlich geschwächt. Wird man ihn zwingen sich an einen QuarantäneOrt zu begeben? |
 |
6. September 1984
Mein Sohn ist nicht zur Hochzeit seiner Schwester gekommen. Er wusste, die Gäste würden nur die Kaposi-Sarkome in seinem Gesicht wahrnehmen und nicht einen fröhlichen Bruder. Es ist sehr traurig, aber vielleicht hatte er recht. Viele Menschen können nicht mit AIDS umgehen. |
 |
28. September 1984
Ich dachte, TBC gäbe es heutzutage nur noch in der Dritten Welt. Doch nun bekommen es auch AIDS-Patienten. Wir beschafften uns schließlich Medikamente gegen TBC, aber es gibt kein Mittel, um meinen Sohn zu retten. |
 |
9. Oktober 1984
Drei Wochen vor dem Tod meines Sohnes suchte ich ihn in seiner Gemeinschaftswohnung auf. Ich wurde mit Dingen konfrontiert, auf die ich nicht gefasst war - er fiel oft hin, hatte Halluzinationen, beschäftigte sich ständig mit Medikamenten. Wir brauchten dringend Hilfe. In den letzten Tagen, als wir rund um die Uhr mit ihm beschäftigt waren, mussten wir uns selbst immer wieder Mut machen. Wir waren eine Gruppe von sechs Leuten. Gott und mein Sohn dirigierten die Vorstellung. |
 |
2. Juni 1988
Ich denke oft an meine Enkelin. Was wird sie über ihren Onkel denken? Und warum starb er so jung? Werden ihre Liebesbeziehungen angstbesetzt sein? Wird sie jemand, den sie liebt, verlieren? |